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wohnlabor, das.
Eine Aufgabe für alle. Mach mit!


Wohnen ist der Grundzug des Seins Die Art, wie du bist und wie ich bin, die Weise, nach der wir Menschen auf der Erde sind, ist das Bauen, das Wohnen, und Mensch sein heißt: auf der Erde sein, heißt wohnen.
– Martin Heidegger –

80 Prozent der Österreicher träumen vom freistehenden Einfamilienhaus mit Garten, allen individuellen und gesellschaftlichen Nachteilen zum Trotz, ungeachtet der ökologischen und volkswirtschaftlichen Folgen. Kompaktere Wohn- und Siedlungsformen bieten selten eine befriedigende Alternative. In den Städten dominiert ein rationeller Massenwohnbau „von der Stange“, der Bedürfnisse nach sozialen Kontakten und nachbarschaftlicher Gemeinschaft, nach Freizeitgestaltung und persönlicher Selbstverwirklichung weitgehend ignoriert. Das Interesse am Bauen und Wohnen im Kollektiv mit Raum für Individualität steigt daher nicht ohne Grund. Stark wachsende Städte, in denen Wohnraum zur knappen Ressource wird, sowie flexible Lebensentwürfe, demographischer Wandel und veränderte Familienstrukturen regen ein Umdenken an.

Aus diesem Grund wollen wir, ein Team junger Grazer ArchitektInnen und Architekturstudierenden, im Zuge des Architektursommers 2018, ein „Wohnlabor“ für die BewohnerInnen der Stadt Graz einrichten. Unser Wohnlabor bietet Raum, um mit alternativen Wohnformen zu experimentieren! Diese Wohnräume sollen Platz für die Individualität jedes Bewohners lassen, aber auch das gemeinschaftliche Wohnen fördern. Sie sollen preiswert, ökologisch und architektonisch vertretbar sein. Denn: Alle wollen wohnen!

In einem ersten Schritt sollen aktuelle Tendenzen im Wohnungsbau in Graz untersucht und die Fragen „Wie wohne ich?“ bzw. „Wie möchte ich wohnen?“ unter den StadtbewohnerInnen diskutiert werden. Für eine Woche wollen wir interessierten GrazerInnen, jeder Altersgruppe eine Plattform bieten, sich für das Thema Wohnen zu sensibilisieren, Ideen auszutauschen und vielleicht sogar ProjektpartnerInnen zu finden. Denn: Wohnen ist eine Aufgabe für alle.

Für eine Woche wollen wir das Gedankenexperiment starten und zusammen mit interessierten TeilnehmerInnen eine Baugruppe bilden. Eine Baugruppe bezeichnet ein Zusammenschluss mehrerer privater Bauherren, mit dem Ziel Wohnraum und Gewerbeeinheiten (die das Projekt mitfinanzieren) zu planen, zu bauen und fast immer gemeinsam zu bewohnen. Eine Hausgemeinschaft für mehrere Generationen kann so entstehen.

Projekte wie die Genossenschaft „mehr als wohnen“ in Zürich oder Spreefeld in Berlin gelten im heutigen Wohnungsbau als Vorzeigeprojekte und sollen uns in der Baugruppe als Referenz dienen. Diese Projekte zeigen, dass es möglich ist, Wohnbauten ökologisch und volkswirtschaftlich nach einem bottom-up Prinzip zu gestalten und gleichzeitig auf die Wünsche und Bedürfnissen der Bewohner einzugehen. Individuelle und anpassbare Lebensräume, mit dem Fokus auf gemeinschaftlichem Zusammenleben wurden im Zuge dieser Projekte entwickelt. Gemeinsam mit Jung und Alt wollen wir neue Wohnideen für Graz entwerfen.

Zur Zeit kommt es zu einem deutlichen Anwachsen des Interesses an gemeinschaftlichen Bauen und Wohnen, eine Tendenz, die jüngste Ausstellungen – wie „Together! Die Neue Architektur der Gemeinschaft“ im Vitra Museum in Weil am Rhein und „Alle wollen wohnen. gerecht sozial bezahlbar“ im M:AI in Gelsenkirchen – und zahlreiche Publikationen unterstreichen.

Wir sind der Überzeugung, dass gemeinschaftliche Wohnformen Toleranz und Kompromissbereitschaft stärken und somit einen wertvollen Beitrag für unsere Gesellschaft leisten. Im Kollektiv von ArchitektInnen und BewohnerInnen wollen wir gemeinsam die zentrale Frage erarbeiten: Wie wollen wir in der Zukunft miteinander wohnen?

 

Wir werden unterstützt von:

Architektursommer 2018
Haus der Architektur, Graz
Land Steiermark
Technische Universität Graz